thesis
Daria Kokozej, BA (Philosophie, Universität Wien)- ehemals Mag.studentin der Philosophie und Slawistik,
(C) Daria Kokozej
german version, BA - thesis in philosophy, University of Vienna, mark: A., april 2018
BA thesis
Kulturelle Identität in Zeiten der Globalisierung , (C) DARIA KOKOZEJ
Bachelorarbeit
LV-Nr. 180084, „SE Flucht, Migration, Reisen – kulturphilosophische Untersuchungen“
Prof. Dr. Anna Monika Singer
WiSe 2017/18
Institut für Philosophie
Universität Wien
vorgelegt von
Daria Kokozej
Matrikelnummer: a00600658
Studienkennzahl: 033 541
Email: [email protected]
Wien, 30. April 2018
Plagiatserklärung:
„Hiermit erkläre ich, die vorgelegte Arbeit selbständig verfasst und ausschließlich die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt zu haben. Alle wörtlich oder dem Sinn nach aus anderen Werken entnommenen Textpassagen und Gedankengänge sind durch genaue Angabe der Quelle in Form von Anmerkungen bzw. In-Text-Zitationen ausgewiesen. Dies gilt auch für Quellen aus dem Internet, bei denen zusätzlich URL und Zugriffsdatum angeführt sind. Mir ist bekannt, dass jeder Fall von Plagiat zur Nicht-Bewertung der gesamten Lehrveranstaltung führt und der Studienprogrammleitung gemeldet werden muss. Ferner versichere ich, diese Arbeit nicht bereits andernorts zur Beurteilung vorgelegt zu haben.“
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung – S. 3
Globalisierung – S. 4
Kulturelle Globalisierung - S. 4
Kulturelle Identität und Globalisierung/ Multikulturalismus und Migration – S. 6
Kulturelle Identität - S. 8
Kultur und die Vielfältigkeit des Kulturbegriffs – S.8
Problematische Verwendung des Kulturbegriffs – S.9
Kulturelle Identität bei Stuart Hall – S. 12
Globalisierung und Multikulturalismus - Universalismus versus Kulturrelativismus – S. 17
Charles Taylor und die Politik der Anerkennung – S. 18
Schlussfolgerung/Fazit – S. 22
Literaturverzeichnis – S. 25
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SE Flucht, Migration, Reisen – Kulturphilosophische Untersuchungen
Kulturelle Identität in Zeiten der Globalisierung?
Einleitung:
Im Zuge der Globalisierung findet auf der einen Seite ein zunehmendes Aufeinanderprallen von Kulturen statt - Samuel Hungtington spricht sogar von einem regelrechten Kampf der Kulturen[1] - zum anderen jedoch eine Homogenisierung von Kultur[2]; wir leben in einer Welt, die einerseits von Multikulturalismus und Pluralismus geprägt ist, jedoch auch von Tendenzen der Vermischung/Vereinheitlichung der Kultur(en)… bei all diesen Entwicklungen kommen Fragen nach der Kultur an sich und der kulturellen Identität auf. Namhafte Philosophen (Stuart Hall, Charles Taylor, Mona Singer, Kenan Malik, Francois Jullien, uvm.) stellen sich die Frage: „was bedeutet kulturelle Identität?“ und setzen sich mit denen damit verbundenen Themen der Migration, Integration, der nationalen Identität, der Vereinbarkeit von Kulturen und Lebensweisen etc. auseinander. Auf der einen Seite existiert in dieser Debatte ein Universalismus, der Prinzipien wie die Menschenrechte für die gesamte Menschheit sehen möchte bzw. besagt, dass Würde allen Menschen zukommt, und auf der anderen Seite ein Kulturrelativismus.
In Europa und weltweit gibt es große Migrationswellen und folglich treffen verschiedene Kulturen und somit Wertvorstellungen und Lebensweisen aufeinander - wie können wir friedlich zusammenleben und, vielleicht, trotzdem unsere Identität bewahren? Ferner, was ist diese Identität und gibt es eine europäische Identität?
In meiner Arbeit möchte ich mithilfe der im Seminar „Flucht, Migration, Reisen – kulturphilosophische Untersuchungen“ behandelten Autoren herausarbeiten, was kulturelle Identität bedeutet, welche Stelle sie in einem Zeitalter der Globalisierung bzw. des Multikulturalismus einnimmt und welche Lösungsansätze einige der wichtigsten Vertreter der Kulturphilosophie vorschlagen. Schließlich möchte ich meinen eigenen Lösungsvorschlag beschreiben, der eine Balance zwischen Universalismus und Kulturrelativismus vorsieht und die Wichtigkeit eines Konzepts, wie der der Menschenrechte, herausstreichen. Die Bewahrung der eigenen Kultur halte ich für wichtig, sofern sie auf humanen, universellen Werten basiert. Diese universellen Werte gilt es herauszuarbeiten.
Globalisierung
Globalisierung findet heutzutage auf allen Ebenen statt: in der Wirtschaft, im Sozialen, in der Kultur; Menschen sind zudem dank des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts viel mobiler geworden und es kommt zu einem regen Austausch und Kommunikation. Wir haben heutzutage auch einen viel größeren Einblick in fremde Kulturen.
Der Begriff Globalisierung fasst viele Phänomene zusammen[3] , vor allem wird Globalisierung mit wirtschaftlichen Prozessen in Verbindung gebracht, jedoch bleiben die Kultur und Wissenschaft[4] von ihr auch nicht „verschont“.
Der Britische Soziologe Anthony Giddens beschreibt: „Die Moderne ist in ihrem inneren Wesen nach auf Globalisierung angelegt“[5] ; es kommt in der Moderne zu einer Zeit-Raum-Verdichtung: weite Distanzen sind für die Menschheit kein Problem mehr, während per Internet neue Communities entstehen, die unabhängig von nationalen Grenzen, Sprachen oder Ethnien sind - man spricht von der Welt als „globales Dorf“[6].
Bezüglich der Globalisierung werden die unterschiedlichsten wirtschaftlichen, politischen, und kulturellen Positionen vertreten - allen ist gemeinsam, dass sie eine wichtige Frage stellen: „bietet die Globalisierung Chancen oder stellt sie eine Gefahr dar“?[7]
Bevor der Begriff „Globalisierung“ sich im öffentlichen Diskurs durchgesetzt hatte, wurde von „Internationalisierung“ gesprochen; damit sollte darauf hingewiesen werden, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten zwischen den Nationen zugenommen haben[8].
Kulturelle Globalisierung:
Die Diskussionen um die kulturelle Globalisierung fanden in den 1980er, und 1990er Jahren statt und drehten sich um die Frage der Vereinheitlichung der Welt[9] : es wurde vermutet, dass die ökonomische Globalisierung in Gestalt der Ausbreitung des Kapitalismus zu einer Vereinheitlichung der Welt führt[10]. Besonders ein Begriff sticht in der Debatte um die Globalisierung hervor, und zwar der der „McDonaldisierung der Welt“, der von George Ritzer geprägt wurde. Damit wird die „kulturelle Vereinheitlichung“ der Welt gemeint; letztlich eine „Angleichung aller Kulturen an die amerikanische“[11]. Diese McDonaldisierung umfasst alle Bereiche der Gesellschaft; McDonalds ist zu einem weltweiten Symbol geworden, das bestimmte Prinzipien verkörpert: Effizienz, Quantifizierbarkeit/ Berechenbarkeit, Vorhersehbarkeit und Kontrolle. Ritzer führt die Ursprünge dieses Prozesses auf die Industrialisierung zurück.[12]
Die McDonaldisierung schafft jedoch nur die Illusion effizient und preiswert zu sein, Fast Food ist nicht billig. Die Quantifizierung, das zweite Prinzip, ist auch in Medien, Sport, Politik etc. zu finden – viele richten sich nur noch nach Quantität statt Qualität, so Ritzer. Das dritte Prinzip der Vorhersehbarkeit erinnert uns, dass Medienproduktion, Bürokratie, Gesundheitswesen und viele andere Bereiche der Gesellschaft vorhersehbar geworden sind.[13] Schließlich werden die Menschen, Kunden wie Angestellte, durch Bürokratien und Unternehmen kontrolliert.[14]
So gesehen ist dies alles negativ zu bewerten; der Widerstand gegen diese Prozesse hat nach Ritzer kleine, lokale emanzipatorische Bestrebungen hervorgebracht[15]; Samuel Hungtington dagegen argumentierte, dass die Welt in mehrere Kulturen bzw. Zivilisationen zerfällt - durch die Globalisierung würden wirtschaftliche und kulturelle Konkurrenz gefördert. Es komme zu einem Kampf der Kulturen.[16]
Benjamin Barber stellt dar, dass die Homogenisierung in erster Linie die Kultur erfasse – Kultur ist heute nur noch Kommerz und „einheitliche Allerweltskultur“; Unternehmen interessieren sich nur für Gewinne, greifen jedoch zugleich in gesellschaftliche, politische und kulturelle Zusammenhänge ein; dadurch besteht die Gefahr, dass sie unverantwortlich und gar „kulturschändend“ handeln.[17]
Daneben gibt es andere Theorien der Globalisierung im Zusammenhang mit Kultur; ohne Frage beeinflusst das Phänomen der Globalisierung unser Selbstbild als Mensch und als kulturelles Wesen, und unsere „Identität“; ich möchte deshalb die Aufmerksamkeit darauf lenken, was Kultur und kulturelle Identität überhaupt bedeuten und wie sich ihr Verständnis angesichts der momentanen Umwälzungen in der Welt verändert.
Kulturelle Identität und Globalisierung/ Multikulturalismus und Migration:
In Anbetracht der momentanen Veränderungen - Migrationswellen in Europa und weltweit[18] - gibt es Entwicklungen und Gruppierungen, die sich eher auf Traditionen etc. besinnen möchten; Rechtspopulismus ist eine Entwicklung, die sich in vielen Ländern Europas abzeichnet[19]. Es besteht die Sorge, durch Migrationsbewegungen eigene Traditionen, die eigene „Identität“ zu verlieren; gefordert werden eine Rückkehr zu „deutschen“ Werten, „christlichen“ Werten, zum Beispiel im Parteiprogramm der AfD oder CSU[20].
Die Rede von Marcello Pera, damals Präsident des italienischen Senats für die Partei Forza Italia, ist ein gutes Beispiel für diese Sichtweise, die die Rückbesinnung auf „unsere“, „europäische“ Traditionen fordert: „unser moralisches Fundament sind unsere Traditionen […] unsere Geschichte, die Geschichte Europas und des Westens, ist jüdisch-christliche und griechisch-römische Geschichte […]ohne die mosaischen Gesetze, ohne das Opfer Christi hätten wir nicht das moralische Empfinden, das uns alle – Gläubige wie Nichtgläubige - zu Brüdern in Gleichheit und Mitgefühl macht. Ohne die philosophische Vernunft der Griechen und ohne das Völkerrecht der Römer hätten wir nicht die Denkweisen, von denen unsere öffentlichen Institutionen getragen sind.“[21] Wer diese Ursprünge ferner leugne, verrate seine Geschichte und verliere damit seine Identität…
In gewisser Weise stimme ich persönlich diesen Sichtweisen zu - wir wären blind, wenn wir die Geschichte Europas verneinen würden; wir wären blind, wenn wir nicht sehen würden, dass bedeutende Konzepte wie das der Menschenrechte, aus Europa stammen würde, ich denke, wir können nicht einfach unser gesamtes europäisches „kulturelles Erbe“ (ich denke, der Ausdruck „kulturelles Erbe“ ist ein viel passender Ausdruck als rein der der „Kultur“, denn Erbe ist etwas, woraus wir als Menschen etwas machen können – es liegt an uns, aus diesem Erbe etwas zu machen; Kultur ist im Verständnis vieler Philosophen dagegen etwas, was einem „anhaftet“[22]) vernachlässigen: aber wir stehen heutzutage auch vor riesigen Veränderungen und Migrationswellen und müssen diese Konflikte irgendwie friedlich lösen. Idealerweise würde ich persönlich zuallererst die Kriege und Auseinandersetzungen beseitigen, die die Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen und dorthin zu fliehen, wo es sicherer ist – z.B. nach Europa.
Es ist also meiner Meinung nach in gewisser Hinsicht verständlich, wieso eine gewisse Angst besteht, dass die sozusagen „besten“ europäischen Traditionen untergraben werden können. Ich wage zu behaupten, dass es sogar mehr ein Weltanschauungskampf als Kulturkampf ist, der heutzutage stattfindet – vor allem herrscht meines Erachtens und meiner Beobachtung nach eine Angst vor der Ideologie des politischen/radikalen Islam. Und das ist angesichts der vielen Terroranschläge in europäischen Hauptstädten und anderen Entwicklungen (ISIS etc.) sehr verständlich. Hier hilft es auch nur, sich sehr differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzten und wohl jeden Fall gesondert zu lösen, um keine falschen Anschuldigungen zu tätigen: nicht alle Muslime sind Terroristen; nicht alle Christen, die sich als solche bezeichnen sind tatsächlich Christen und leben die Botschaft Jesu bzw. befolgen die Gebote, usw., nicht alle Konservativen sind automatisch „rechtsextrem“.
Man kann den Personen und politischen Gruppierungen, die christliche Werte propagieren, jedoch Flüchtlinge und Migranten aus nicht-europäischen Ländern nicht willkommen heißen, natürlich auch eine gewisse Doppelmoral unterstellen, denn das Christliche fordert bekanntlich Nächstenliebe[23] und sogar Fremden[24]-oder Feindesliebe.[25] , aber dann kann man auf der anderen Seite die Frage stellen: was ist mit Menschen, die sich überhaupt nicht integrieren wollen; Menschen, die Ehrenmorde und die Scharia gutheißen? Menschen, die gutheißen, ihre eigene Frau zu schlagen, weil es in ihrer „Kultur“ vielleicht so üblich ist?
Ich denke, es ist also auch ein Problem der Bildung und der Weltanschauungen. Eine umfassende Bildung schützt meiner Meinung nach davor, in den Fundamentalismus umzukippen.
Amani Abuzahra hat dem Thema „kulturelle Identität“ und Multikulturalismus ein gesamtes Buch gewidmet: „Kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft“, Passagen-Verlag, 2012. Darin setzt sie sich auch mit den verschiedenen Theorien der Denker / Kulturphilosophen auseinander.
Globalisierung, Migration, und auch Entkolonialisierungsprozesse etc. lenken also den Fokus auf kulturelle Identität, wie Abuzahra feststellt.[26] Stuart Hall, der Begründer der Cultural Studies, sieht die Aktualität des Themas der kulturellen Identität und Identität an sich darin begründet, dass sich diese in der Krise befindet[27] Diese Krise ist aufgrund all den vielen Veränderungen entstanden, die die Gesellschaften aufgrund der wirtschaftlichen, technischen Dimensionen der Globalisierung durchlaufen; die Identitäten sind nun „dezentriert, zerstreut und fragmentiert[28]“.
Globalisierung und Migration sind zudem Ursachen zu mehr Begegnungen mit „fremden Kulturen“[29]. Globalisierung ist jedoch kein neues Phänomen, wie Stuart Hall schreibt: „Ich gehe davon aus, dass die Globalisierung Teil einer sehr viel längeren Geschichte ist. Wir leiden zunehmend an einer fortschreitenden, historischen Amnesie, indem wir, nur weil wir gerade über eine Idee nachdenken, annehmen, diese wäre auch erst jetzt neu entstanden.“[30] Jedoch ist es richtig, dass die Globalisierungsprozesse neue Formen annehmen und rasant weiterentwickeln.[31]
Kulturelle Identität
Kultur und die Vielfältigkeit des Kulturbegriffs:
Der Begriff der Kultur wird unterschiedlich definiert; im philosophischen Wörterbuch (Kröner Verlag)[32] kann man nachlesen, dass „Kultur“ vom lateinischen „colere“, das heißt zu Deutsch, „hegen und pflegen, bebauen“ stammt, und ursprünglich „Pflege des Bodens“ bedeutet, um ihn menschlichen Bedürfnissen anzupassen. Kultur in unserem heutigen Gebrauch bedeutet sozusagen „Veredelung, Verbesserung der leiblich-seelisch-geistigen Anlagen des Menschen“. Im umfassenden Sinne ist Kultur die „Gesamtheit der Leistungen und Werke eines Volkes“[33]. Da könnte man sicher fragen: wieso nur des Volkes, und nicht der gesamten Menschheit?
Terry Eagleton, ein international gefeierter Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker verdeutlicht in seinem Buch „Kultur“ ebenfalls, dass Kultur ein komplexer und vielschichtiger Begriff ist[34]; es gibt jedoch nach ihm vier Hauptdefinitionen: Kultur ist „(1)der Bestand am künstlerischen und geistigen Werken, (2) der Prozess geistiger und intellektueller Entwicklung, (3) die Werte, Sitten, Überzeugen und symbolischen Praktiken, nach denen Menschen leben, oder (4) eine komplette Lebensweise[35]“. Die „Lappländische Kultur“ kann so beispielsweise die Dichtung und Musik der Lappen bezeichnen, aber auch die Lebensmittel, ihre Gesellschaft, und sogar die Religion.[36]
Für postmoderne Denker ist es eine Tatsache, dass viele verschiedene Kulturen existieren[37]. Vielfalt, den einige politische Gruppierungen fordern[38], ist jedoch kein Wert an sich.[39] Eagleton argumentiert, dass in einigen Dingen Vielfalt gut ist, in einigen Einstimmigkeit, z.B. dass alle Menschen gegen Todesstrafe sind[40]; zudem gibt es auch Lebensformen, „die nicht nur wertlos sind, sondern die auch mit aller Kraft ausgerottet werden sollten: pädophile Ringe zum Beispiel oder Männer, die Frauen in sexuelle Sklaverei verkaufen“[41]. Ich denke, das ist ein wichtiger Aspekt, den Eagleton anspricht, und er müsste in öffentlichen Debatten berücksichtigt werden, um Pauschalisierungen zu vermeiden. Dieser Aspekt verdeutlicht, dass man einfach nicht von Migranten und Kulturen sprechen kann, sondern von verschiedenen Migranten und Kulturen. Migrant ist nicht gleich Migrant und Kultur ist nicht gleich Kultur.
Problematische Verwendung des Kulturbegriffs
So kommen wir zu einer problematischen Verwendung des Kulturbegriffs. In ihrem Aufsatz „Retro-Figuren des Kulturell anderen: wider die kulturalistische Viktimisierung von MigrantInnen“, weist Mona Singer darauf hin, dass der Kulturbegriff, der in den Migrationsdebatten verwendet wird, sehr bedenklich ist[42]; „Kultur wird verortet und Individuen werden als Angehörige einer kulturellen Gemeinschaft festgeschrieben.“ Unter „kultureller Identität“ wird in diesen Debatten Heimat, Herkunftskultur, Verwurzelung verstanden; die Heimat zu verlassen bedeutet einen Identitätsverlust.
Das Problem in der gegenwärtigen Migrationspolitik sind „kulturalistische Argumentationen“; diese sind nach Singer obsolet; vor allem werden solche Argumentationen dazu verwendet, bestimmte MigrantInnen abzuwehren, die „in der gesellschaftlichen Stufenleiter und deren Herkunftsländer in der globalen Ordnung unten stehen.“.[43] So werden bestimmte MigrantInnen abgewehrt und viktimisiert.
Das Argumentationsspiel im Namen der Kultur ist ferner doppelbödig. Migranten werden einerseits als Menschen verstanden, die mit „schwerem kulturellen Gepäck“ anreisen, auf der anderen Seite jedoch verlieren sie ihre Wurzeln – das ist sozusagen ein Widerspruch – dies sind nach Singer Argumentationen derselben „kulturalistisch geprägten Münze“.[44]. MigrantInnen stellen so die Idee der kulturellen Verwurzelung grundlegend in Frage.[45]
Singer geht noch weiter und behauptet, dass das kulturalistische Argument nicht für „qualifizierte Einwanderer“ bzw. als „Schlüsselkräfte“ gilt; beispielsweise ManagerInnen, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen etc.[46] Das unterstreicht die Problematik dieses Arguments.
Der Haupt-Kritikpunkt ist der, dass MultikulturalistInnen wie Charles Taylor die Kultur und kulturelle Zugehörigkeit „essentialisieren“ – genau das kritisiert Singer; die Multikulturalistinnen „zementieren einen Begriff von Kultur als Herkunftskultur ein“ [47] . Hybride Identiätsvorstellungen, wie die von Stuart Hall, sind ein Gegenentwurf dazu: Migrierende sind „das Produkt mehrerer ineinandergreifender Geschichten und Kulturen“[48], sie gehören zu mehreren Heimaten, und nicht nur einer besonderen Heimat an.
Das Verständnis der Kultur als Verortung wird vor allem in den Argumentationen der politischen Rechten verwendet: Individuen werden quasi nationalistisch als Zugehörige zu Kollektiven mit einer gemeinsamen Geschichte, gemeinsamer Sprache und Traditionen und als territorial Einheimische verstanden[49]; NationalistInnen berufen sich dabei auf J. G. Herders Kultur-Konzeption aus dem 18. Jahrhundert. Sein Kulturverständnis ist die Gegenposition zur universalistischen Aufklärungsphilosophie und kosmopolitischen Ideen. Herder behauptete, dass alle Völker der Erde eine unverwechselbare Geschichte, sozusagen einen „Volksgeist“ hätten; Kultur nach Herder weist drei zentrale Merkmale auf:
1) Jede Kultur unterscheidet sich von den anderen
2) Kultur hat einen Produzenten und einen Träger
3) Diese Kultur prägt das Leben des Volkes im Ganzen sowie im Einzelnen
Johann Gottfried Herder: „Mehrere Dinge regieren die Menschen: Klima, Religion, Gesetze, Staatsmaximen, Beispiele aus der Geschichte, Sitten, Lebensstil. Aus all dem bildet sich als ihr Ergebnis ein Gemeingeist“[50]
Dieses relativistische Kulturverständnis findet sich in den Positionen der Anthropologie des 19ten und 20sten Jahrhunderts zuhauf, unter anderem bei Franz Boas, der alle Kulturen gar als gleichwertig sah.[51] Es gäbe nach Boas verschieden kulturell geprägte Perspektiven auf die Welt. Sein Kulturkonzept kann als Kritik am eurozentristischen Universalismus seiner Zeit verstanden werden[52].
Dass Kulturen als gleichwertig gesehen können, bezweifle ich. Denn es gibt sehr viele verschiedene „Kulturen“, die – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne – nicht vergleichbar sind. Dass es verschieden kulturell geprägte Perspektiven auf die Welt gibt, ist Tatsache und meiner Meinung nach eine viel bessere Formulierung, denn der Begriff „Perspektive“ steht hier im Mittelpunkt; auch diese Perspektiven sind bei weitem nicht immer vergleichbar – man denke an den Pluralismus der Weltanschauungen und Philosophien - aber es ist eine Gegebenheit, dass diese Vielfältigkeit der Perspektiven existiert.
Singer veranschaulicht, dass sich ferner dieses kulturalistische Kulturverständnis in den nationalistischen Argumentationen im 20sten Jahrhunderts fortgesetzt hat; wichtige Probleme, wie das der sozioökonomischen Ungleichheiten, Klassengegensätze oder hierarchische Geschlechterverhältnisse, werden dabei ignoriert[53]. Der kulturelle Gemeingeist „geistert als homogener Volksgeist weiter in den gegenwärtigen Debatten umher und geht einher mit einer Idee von grundlegenden kulturellen Differenzen zwischen „Einheimischen“ und Fremden“. So gesehen sind kulturalistische und nationalistische Argumentationen einander ähnlich.
Singer fragt sich schließlich: „aus welchem Grund sollen kulturelle Traditionen etwas sein, das es zu bewahren gilt?“[54] Die Traditionen sind nach Singer politisch und ethisch zu prüfen; und ich persönlich denke auch, dass dies eine sehr wichtige Aufgabe ist. Wir brauchen so etwas wie einen Maßstab, um Traditionen zu prüfen, denn es gibt gewisse Traditionen, die viel Schaden anrichten: Beschneidungen von Mädchen in Afrika, beispielsweise, gehören wohl nicht zu den großen kulturellen Errungenschaften der Menschheit, und vielerorts herrscht Konsens darüber…
Singers Fazit ist, dass sogenannte „multikulturalistische Artenschutzprogramme“ obsolete Vorstellungen von Kultur verfolgen[55]; Individuen haben nicht eine Identität, sondern mehrere „kollektive Zugehörigkeiten“[56] – der Rassismus solcher ethnischer Identiätspolitik besteht darin, dass Individuen „einem Kollektiv zugeordnet werden – ob sie wollen oder nicht[57]“; immer mehr Menschen sind Reisende, setzen sich mit neuen Sprachen, Lebensformen etc. aus: „dass Menschen nicht dort bleiben, wo sie geboren wurden und aufgewachsen sind, wird mehr und mehr zur Regel“[58].
Kulturelle Identität ist kulturtheoretisch so zu denken, dass sie die Erfahrungen der Migranten in den Vordergrund stellt[59], fordert Singer. Singer setzt sich zudem für das Recht der Freizügigkeit als Menschenrecht ein – es sollte jedem möglich sein, seinen Geburtsort verlassen können, „gleichgültig aus welchem Grund man abreist, um woanders anzukommen: um zu überleben oder anders zu leben, ob man ökonomische, soziale oder kulturell Flüchtende ist oder einfach nur jemand, die mehr will, als identitär zu Hause zu bleiben“.[60]
Kulturelle Identität bei Stuart Hall
Stuart Hall – der Begründer der Cultural Studies[61] - versucht in seinem Text „Kulturelle Identität und Diaspora“ im Buch „Rassismus und kulturelle Identität“ zu ergründen, was die Ursprünge der karibischen kulturellen Identität sind: wie lässt sich eine karibische kulturelle Identität verorten? In diesem Rahmen beschäftigt er sich mit den Fragen nach kultureller Identität allgemein und Identität an sich.
Nach Stuart Hall haben wir alle „eine bestimmte Zeit, eine spezifische Geschichte und Kultur, von denen aus wir schreiben und sprechen“[62]. Alles, was wir sagen, steht in einem Kontext. Stuart Hall selbst wurde in Jamaika geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend; als Erwachsener kam er nach England und studierte in Oxford.
Unsere Identität, so Hall, ist keine „vollendete Tatsache“[63], sondern eine „Produktion, die niemals vollendet ist, sich immer in einem Prozess befindet und – immer innerhalb –nicht außerhalb – der Repräsentation konstituiert wird.“[64] Diese Sicht stellt die Authentizität des Begriffes „kulturelle Identität“ in Frage.[65] Dieser Begriff ist also nicht transparent und nicht unproblematisch.
Nach Stuart Hall kann man ferner in mindestens zwei unterschiedlichen Wegen über kulturelle Identität nachdenken; erstens, über kulturelle Identität im Sinne einer gemeinsamen Kultur, eines „kollektiven einzig wahren Selbst, - das hinter anderen Selbsten verborgen ist und das Menschen mit einer gemeinsamen Geschichte und Abstammung miteinander teilen“.[66] Hier ist kulturelle Identität durch die gemeinsamen historischen Erfahrungen und durch sogenannte gemeinsam genutzten kulturellen Codes geprägt/definiert.
Besonders in der schwarzen „community“/ schwarzen Diaspora ist diese Wiederentdeckung der Identität zum Objekt einer „leidenschaftlichen Suche“ geworden. Daneben spielt dieses Konzept der kulturellen Identität im Postkolonialismus, in allen postkolonialen Kämpfen, eine bedeutende Rolle[67] - diese Suche ist quasi eine Form der Rehabilitation.
Solche „Verborgenen Geschichten“, wie Hall es nennt, haben schon immer eine bedeutende Rolle gespielt - im Feminismus, Antikolonialismus, im Antirassismus. Auch KünstlerInnen nehmen sich dieser Themen an und versuchen sozusagen die „Einheit der schwarzen Menschen, die durch Kolonialisierung und Sklaverei über die afrikanische Diaspora verteilt wurden, in visueller Form zu rekonstruieren.“ [68]
Eine zweite Sichtweise von kultureller Identität, die der ersten verwandt ist, aber doch unterschiedlich ist, erkennt die Wichtigkeit der „Differenz“. Kulturelle Identität ist in diesem Sinne auch gleichzeitig eine Frage des Werdens und Seins[69], sie entsteht nicht unabhängig von Ort, Zeit, Geschichte und Kultur. Wie alles Historische unterliegt sie Veränderung. Nur diese zweite Sicht ermöglicht, die traumatischen kolonialen Erfahrungen zu verstehen, so Hall. Die Unterdrücker haben den Unterdrückten gewissermaßen ein Bild aufgezwungen, sodass sie sich als „Andere“ wahrnahmen und erfuhren.[70]
Wenn der Enteignung der Identität, beispielsweise durch Regimes, nichts entgegengesetzt wird, entstehen daraus „Menschen ohne Ufer, ohne Grenzen, ohne Farbe, Heimatlose, Nicht-Verwurzelte, Engel“ – mit Franz Fanon ausgedrückt.[71]
Kulturelle Identität in dieser Sichtweise liegt also immer eingebettet in Geschichte und Kultur. Sie ist kein „universeller und transzendentaler Geist“, sie ist nicht festgelegt, aber sie ist auch kein Trugbild und keine Einbildung, sondern etwas Reales; sie hat Geschichten und ihre Geschichten haben realen, materiellen und symbolischen Charakter: „kulturelle Identitäten sind die instabilen Identifikationspunkte oder Nahtstellen, die innerhalb der Diskurse über Geschichte und Kultur gebildet werden. Kein Wesen sondern eine Positionierung“.[72]
Der Moment der Differenz ist in kulturellen Identitäten eingeschrieben[73]; es meint nicht pures Anderssein, sondern Hall verwendet es eher im Sinn von Derrida: der Sinn von Differenz, den Derrida mit Verweis auf Saussure verwendet, zeigt, dass „Bedeutung nie endgültig und vollständig ist, sondern sich weiterbewegt“ [74]
Ohne Differenzbeziehungen kann es keine Repräsentation geben - Differenz macht erst die verschiedenen Präsenzen deutlich, z.b. „présence Africaine, présence européene, présence americaine“, wie Hall mit der Metapher von Aimé Césaire (afrokaribisch-französischer Schriftsteller und Politiker) und Léopold Senghor (senegalesischer Dichter und Politiker, und von 1960 bis 1980 der erste Präsident von Senegal) beschreibt.[75] Sozusagen wird die karibische Identität nur im Vergleich und Relation zu den anderen Präsenzen sichtbar.
Alle Menschen in der Karibik müssen sich früher oder später mit der „présence Africaine“ auseinandersetzen. Das ursprüngliche Afrika existiert zwar nicht mehr, aber die Geografie und Geschichte haben einen „imaginativen oder figurativen Wert“[76]; die Zugehörigkeit zu dieser Geschichte und Geografie ist das, was Benedict Anderson als „imaginäre Gemeinschaft“ bezeichnet.[77]
Europa hingegen ist in karibischen Identität „unwiderruflich mit dem Spiel der Macht, mit den Linien von Gewalt und Zustimmung und der Rolle der Herrschenden in der karibischen Kultur verknüpft“[78]. Auch die „présence Americaine“ ist durch Erfahrungen der Unterdrückung gekennzeichnet. [79]
Ich finde diese Auffassung teilweise problematisch. Es ist nicht zu verneinen, dass die europäischen Machthaber die „Schwarzen“ unterdrückt haben, und dass in den USA bis vor kurzem extremer Rassismus gegenüber der „schwarzen“ Bevölkerung herrschte und folgenderweise die schwarze Bevölkerung diese Erinnerungen nicht aus ihrem kollektiven Gedächtnis bringen kann; aber dies als ein „Wesenszug“ Europas oder Amerikas darzustellen halte ich genauso für irreführend und gefährlich wie zu sagen: „alle Russen sind Alkoholiker“, „alle Deutschen Nazis“ usw. – meiner Meinung nach sind das gefährliche Klischees und Stereotypen und wohl sind diese Stereotypen schuld daran, dass heutzutage viele hitzige Debatten einfach nicht aufhören. Idealerweise sollten wir unser Denken schärfen und alle Seiten beleuchten, sowohl die negativen, als auch die positiven – Europa ist per se keine „heile Welt“ und ist natürlich schuld am Kolonialismus etc., aber es gibt auch viel Gutes, das aufgezählt werden kann.
Der Kernpunkt von Stuart Halls Ansichten ist der, dass es bei der Identitätsbildung sozusagen um Hybridbildung geht. Die Identitäten der schwarzen Diaspora „produzieren sich und reproduzieren sich ständig aufs Neue, durch Transformation und Differenz“[80]. Die Diaspora-Erfahrung wird nicht von „Essenz oder Reinheit bestimmt, sondern von der Anerkennung notwendiger Heterogenität und Verschiedenheit“[81].
In seinem Text „Alte und neue Identitäten“ führt Stuart Hall Text seine Überlegungen zum Thema Identität weiter - mit der Absicht, dass der Begriff Identität neu gefasst werden soll. Die alten Logiken in der Philosophie und Psychologie besagen, dass Identität Ursprung des Selbst-Seins und Grund des Handelns ist.[82] In neuer Zeit gibt es die Vorstellung einer kontinuierlichen inneren Dialektik des Ichs. Wir sind sozusagen nie ganz am Ziel, aber am Weg dorthin[83] ; diese Konzeption der Identität findet sich in vielen politischen, theoretischen, begrifflichen Diskursen wieder. Es befindet sich nach diesen Ansichten sozusagen ein wahres Ich unter den Schalen, eine stabile Grundlage, die sich wenig verändert. Mit dieser Logik ist es nun vorbei, so Hall: es findet eine Dezentrierung des modernen Denkens statt: Die Moderne ist gekennzeichnet durch die Instabilität der Identität und es ist nun klar, dass es Störungen in der Kontinuität einer Vorstellung eines Subjekts gibt. Gewaltige historische Umwälzungen[84] und das Hervortreten anderer Kulturen[85] bewirkte eine „Relativierung der westlichen Episteme“[86].
Durch die Instabilität des Nationalstaats, und damit zugleich der nationalen Identitäten, fand eine Fragmentierung kollektiver sozialer Identitäten statt. Historische Prozesse formten unsere moderne Welt und unsere kollektiven sozialen Identitäten, und vielleicht könnte man sagen, unser Verständnis als Menschen[87]; diese Identitäten sind nicht verschwunden, „was sich verändert hat, ist jedoch ihr sozialer, historischer und epistemologischer Ort“[88]. Hall verdeutlicht nochmals, dass Identitäten keine fertigen Stabilitäten und Totalitäten sind[89]: „Identität befindet sich immer in einem Prozess der Herausbildung“[90] Das kann ich persönlich auch verstehen, denn mit der Bildung und Erweiterung unseres Denk-Horizontes eröffnen sich uns neue Perspektiven auf uns selbst und andere.
Zweitens bedeutet Identität immer einen Prozess der Identifikation; der „andere“ kommt ins Spiel und der andere ist notwendig für die Konstitution des eigenen Ich.[91] Identität ist zudem immer auch eine Art Erzählung, eine Art der Repräsentation.[92]
Im weiteren Verlauf des Textes wendet sich Hall den Fragen der Politik zu: die Herausbildung der schwarzen Diaspora hat ohne Frage das gesamte soziale, ökonomische und politische Leben Englands umgestaltet[93]. Die meisten MigrantInnen hatten Hoffnung, in ihre Heimat zurückzukehren; in den 70er Jahren wurde dann klar, dass dies nicht möglich war, und viele mussten in ihrer neuen Heimat bleiben. Viele MigrantInnen wurden jedoch in ihrer neuen Heimat mit Rassismus konfrontiert. Eine der wichtigsten Reaktionen auf den Rassismus war das, was Hall die „Identitätspolitik ersten Grades nennt“, es wurde eine kollektive Identität hergestellt, weil den Ausgegrenzten eine Identifikation mit der Mehrheit verweigert wurde.[94]
Die Menschen waren gezwungen nach einer neuen Identität zu suchen, weil sie ausgegrenzt waren. Hall: „Menschen brauchen immer einen Grund, einen Ort, eine Position, worauf sie stehen können.“[95] Das war der entscheidende Moment der Entdeckung der „Wurzeln“[96]
Diese Phase der Neu-identifikation und Neu-Territorialisierung durchlaufen nach Hall alle Gruppen von marginalisierten Menschen[97]. Jedoch gibt es keine politischen Garantien, die bereits in einer Identität enthalten wären.[98]
Stuart Halls Ausführungen behandeln meiner Meinung nach sehr wichtige Aspekte; sie verdeutlichen auch, dass sich ein Mensch verändern kann – ein Mensch hat die Möglichkeit zu wachsen, sich neu zu entdecken, sich zu verändern, zu einem ganz neuen Menschen zu werden, eine neue „Identität“ anzunehmen und danach zu leben; jedoch scheint es mir, dass, wenn Identitäten so wandelbar sind, wie Hall es beschreibt, das Problem besteht, dass es folglich im öffentlichen Diskurs keine festgelegten Tatsachen gibt und wir erst recht schweigen müssen, wenn es um Themen der Kultur und Migration und Integration geht. Idealerweise müsste man jeden Fall gesondert betrachtet, aber wir brauchen eben gewisse Kategorisierungen und Verallgemeinerungen, um uns zu verständigen... die Imaginären Gebilde, die Hall anspricht, sind durchaus real.
Globalisierung und Multikulturalismus - Universalismus versus Kulturrelativismus
Ein Weg, mit der kulturellen Vielfalt umzugehen, ist der Multikulturalismus; PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen stellen sich die Frage, wie wir mit dem Pluralismus und verschiedenen Kulturen umgehen können.[99] Es gibt viele verschiedene Zugänge zu diesem Thema - Charles Taylor geht jedoch an dieses Thema systematisch in seinem Werk „Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“ heran.[100]
Charles Taylor, Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung:
Charles Taylor beschreibt in seinem Werk „Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“ unter anderem den Konflikt zwischen den Sichtweisen des Universalismus und Kulturrelativismus, der in den Debatten um die Vereinbarkeit von den verschiedenen Kulturen stattfindet.
Er fängt in seinem Werk mit dem Konzept der „Anerkennung“ der Identität(en) an. Das Bedürfnis nach Anerkennung, so Charles Taylor, ist eine der Triebkräfte der nationalistischen Bewegungen in der Politik und findet sich überall wieder[101] - Minderheiten, benachteiligte Gruppen wollen anerkannt werden. [102]
Identität ist nach Taylor dabei etwas, was das „Selbstverständnis der Menschen“ bezeichnet[103]; unsere gesamte Identität wird von Anerkennung oder vom Gegenteil geprägt - Nichtanerkennung verursacht Leid beim Betroffenen. Hier spricht Taylor, wie ich denke, etwas immens Wichtiges an. Hier geht es nämlich darum, dass Menschen sich auch wünschen können, dass ihre Kultur und Wurzeln anerkannt werden etc…
Es ist also ein menschliches Grundbedürfnis Anerkennung zu verlangen[104] und Anerkennung und Identität sind miteinander verknüpft[105]. Weiters beschreibt Taylor, wie sich geschichtlich die Konzeptionen so verändert haben, dass die Themen der Identität und Anerkennung nun so wichtig geworden sind[106]; Hierarchien, die früher die Grundlage der „Ehre“ bildeten, sind erstens zusammengebrochen. Der Begriff der „Ehre“ wurde durch den modernen Begriff der Würde ersetzt, „den wir in einem universalistischen und egalitären Verstande gebrauchen“.[107] Wir reden nun von der „Würde des Menschen“. Dieses Konzept der Würde ist mit einer demokratischen Gemeinschaft zu vereinbaren.[108] Anerkennung gehört so mittlerweile zur demokratischen Kultur. Im 18. Jahrhundert bildete sich zudem eine neue Auffassung von individueller Identität - Diese Identität kann nun vom Individuum entdeckt werden; es fand in der Neuzeit eine Wendung zur Innerlichkeit statt[109]; der Mensch wurde als Wesen mit inneren Tiefen wahrgenommen: „Es gibt eine bestimmte Art Person zu sein, die ‚meine‘ Art ist“ [110], diese neue Sicht hat unsere heutige Auffassung von Identität, so Taylor, stark beeinflusst.
Der Philosoph Johann Gottfried Herder hat die Idee dieser neuen „Originalität“ der Identität in zweifacher Weise angewendet - sowohl bezüglich des Individuums, als auch in Bezug auf das Volk und Kultur- wie das Individuum, sollte auch das Volk seiner Kultur treu sein: die Deutsche sollen sich sozusagen nicht in Franzosen verwandeln, die Slawen sollen ihren eigenen Weg finden, und die europäischen Kolonien sollten eine Chance bekommen, sie selbst zu sein. Hier wird moderner Nationalismus im Guten als auch im schlechten Sinne wegbereitet. [111]
Früher war „Identität“ durch die gesellschaftliche Stellung festgelegt; später wurde sie durch die Idee der Authentizität ersetzt.[112] Nun ist jedoch die Identitätsbestimmung nicht monologisch, sondern es besteht ein dialogischer Charakter der Menschlichen Existenz[113]: Wir brauchen sinngemäß andere dafür, um uns zu erkennen und wir brauchen Beziehungen[114] - ich entwickle Identität nicht in Isolation, sondern handle sie in einem inneren Dialog mit anderen aus[115].
Die Abhängigkeit vom/von Anderen gab es in der Geschichte schon immer, wir leben jedoch nach Taylor in „Verhältnissen, in denen das Streben nach Anerkennung scheitern kann“[116] Dieses Bedürfnis nach Anerkennung wird heute zum ersten Mal wahrgenommen.[117]
Der Diskurs der Anerkennung spielt auch in der Politik eine zunehmende wichtige Rolle[118]
Die Politik des Universalismus, die aus dem Übergang von „Ehre“ zu „Würde“-Begriff erwachsen ist, besagt, dass Würde allen Bürgern in gleichem Maße zukommt[119]; man möchte so Bürger erster und zweiter Klasse vermeiden.
Das Prinzip der Gleichberechtigung aller Bürger wird heute allgemein anerkannt[120]; man denke an die Bürgerrechtsbewegungen in den USA etc.
Neben dem Wandel der Identitätsvorstellung hat sich jedoch auch eine Politik der Differenz entwickelt[121]. Diese Politik hat auch eine universalistische Basis, aber es kommt leider zu Überschneidungen zwischen den beiden Auffassungen[122]. Der Politik der Differenz nach soll jeder Mensch „um seiner unverwechselbaren Identität willen anerkannt werden“, aber hier bedeutet Anerkennung etwas anderes als im ersteren Fall: die Politik der allgemein Würde zielt auf Universelles - die Politik der Differenz verlangt jedoch die Anerkennung der unverwechselbaren Identität eines Individuums oder einer Gruppe, das heißt, ihre Besonderheit gegenüber allen anderen[123]. Argumentiert wird damit, dass diese Besonderheit immer wieder verkannt wurde und zudem von einer Mehrheit gestützten Identität assimiliert[124]- diese Assimilation ist nach Taylor eine Todsünde des Ideals der Authentizität. Die Politik der Differenz kritisiert zwar auch die Diskriminierung, aber das Problem besteht darin, dass sie Anerkennung für etwas verlangt, was nicht universell ist.[125]
Die Politik der Differenz hat folglich eine andere Ansicht von Nicht-Diskriminierung als die Politik der Würde, und fordert, dass wir „Unterschiede betonen“ - das ist die Haupt-Problematik nach Taylor; in Kanada sollen zum Beispiel Angehörige autochthoner Stämme bestimme Rechte erhalten, die andere Kanadier nicht erhalten.[126]
Es besteht die Gefahr einer umgekehrten Diskriminierung[127]: beide Ansätze sind also sehr unterschiedlich; im einen Fall sind die universellen Rechte im Zentrum, in anderen eine besondere Identität[128].
Ich persönlich denke, dass man die eigene (kulturelle) Identität bewahren kann, auch ohne zu diskriminieren; diese Momente müssten vertraglich geregelt sein. Wie kann man nun dieses Dilemma lösen?
Taylor führt weiter aus: Die Politik der Allgemeinen Menschenwürde basiert auf der Idee, dass alle Menschen gleichermaßen geachtet werden sollen. Diese Ideen können auf Kant zurückgeführt werden.[129] Alle Menschen sind zu vernünftigem Handeln fähig. Auch die Politik der Differenz behauptet ein universelles Potential[130]. In jüngster Zeit kam jedoch der Gedanke auf, dass man allen Kulturen gleich viel Respekt entgegenbringen muss; „zwei politische Konzeptionen, die beide auf der Idee der Gleichachtung beruhen, geraten nun miteinander in Konflikt“[131]. Einerseits fordert man sogenanntes „differenz-blindes“ Verhalten, andererseits sollte man das Besondere fördern…
Das Problem ist also die Vereinbarkeit von Rechten, die für alle gelten, und Rechten, die Anspruch auf „Besonderheit“ fordern. Charles Taylor behauptet jedoch, dass es nicht unbedingt zu einer Homogenisierung der Kulturen kommen soll, wenn sich der Universalismus und die die Politik der Allgemeinen Menschenwürde durchsetzt[132].
Kanada, zum Beispiel, definiert in der Charta of Rights zuerst eine Reihe von Individualrechten, ähnlich derer der Verfassung anderer westlicher Demokratien[133]; überdies sichert sie gleichzeitig in einer Vielzahl von Beziehungen den Bürgern Gleichbehandlung zu und schützt somit vor Diskriminierung.[134]
Liberale Rechte/ Grundrechte sind zum Beispiel das Recht auf Leben, auf Freiheit, fairen Prozess, Redefreiheit, Freiheit auf Religionsausübung[135] - vielmehr muss man also, so Taylor, zwischen elementaren Rechten/ Freiheiten unterscheiden, die niemals eingeschränkt werden dürfen, und Sonderrechten auf der anderen Seite[136]: „es gilt, die elementaren Freiheiten, die niemals eingeschränkt werden dürfen und deshalb fest verankert werden müssen von Vor- und Sonderrechten zu unterscheiden.“[137]
Es gibt einen Rechteliberalismus, der der Differenz gegenüber unaufgeschlossen ist,[138] und keine Ausnahme zulässt. Er kann den Fortbestand der Gesellschaften mit besonderen Charakter nach Taylor nicht gewährleisten[139]. Es gibt jedoch auch andere Modelle; diese Modelle unterscheiden Grundrechte vom breiten Spektrum der Sonderrechte und Ansprüche auf Gleichbehandlung[140], und sie wägen die Gleichbehandlung gegen die Wichtigkeit des Überlebens der Kultur ab; Charles Taylor würde dieses letztere Liberalismus-Modell befürworten, weil immer mehr Gesellschaften multikulturell werden[141].
Der Liberalismus kann nach Charles Taylor keine und soll auch keine vollständige kulturelle Neutralität beanspruchen. Es müssen einfach Grenzen gezogen werden[142], denn „alle Gesellschaften werden in zunehmendem Maße multikulturell und zugleich durchlässig“ [143] - immer mehr Menschen leben in Diaspora-Verhältnissen, verdeutlicht Taylor. Man muss sich, so wie ich verstehe, einfach mit all diesen Problemen auseinandersetzen. Taylor fasst zusammen: „zwischen der unechten, homogenisierenden Forderung nach Anerkennung einer grundsätzlichen Gleichwertigkeit einerseits und der Selbsteinmauerung in ethnozentrischen Maßstäben andererseits muss es noch etwas anderes geben. Es gibt andere Kulturen, und wir müssen mit ihnen zusammenleben – weltweit und auch in der Vermischung innerhalb jeder einzelnen Gesellschaft.“[144]
Wie Taylor anmerkt, sah Herder die Vielfalt der Kulturen sogar nicht als Zufall, sondern vorherbestimmt dazu eine größere Harmonie hervorzubringen[145]. Taylor fordert schließlich, dass wir uns aus all diesen Gründen für vergleichende Kulturstudien offen halten sollen.[146]
Schlussfolgerung / Fazit
Wie man am Diskurs erkennen kann, gibt es sehr viele Debatten, auch innerhalb der Philosophie, zum Thema kulturelle Identität, Migration, Multikulturalismus etc. Viele diese Debatten bemühen sich darum, eine Lösung zu finden, wie mit diesen gegenwärtigen Phänomenen umzugehen ist; wir können nicht ignorieren, dass heutzutage verschiedene Kultur(en) und Ansichten aufeinander treffen.
Ich denke, die Lösung des Konfliktes zwischen Universalismus und Kulturrelativismus in Fragen der kulturellen Identität wurde von Charles Taylor gut gelöst – es bedarf allgemeiner Rechte und Sonderrechte, um auf der einen Seite den Mensch an sich zu schützen, und auf der anderen Seite Minderheiten und Marginalisierte.
Mein eigener Lösungsvorschlag wäre es, eine Balance zwischen den Positionen des Kulturrelativismus und Universalismus herzustellen; hier kommen die Menschenrechte oder universelle Werte ins Spiel. Menschenrechte haben den Anspruch darauf, universell zu gelten.
Ich verteidige die Idee der Menschenrechte und einige Aspekte des Universalismus, jedoch möchte ich auch für den Erhalt der Kulturen und Nationen plädieren. Kulturen sollten mindestens ein Erbe sein, aus dem wir lernen können. Persönlich halte ich nicht viel vom (Ultra-)Nationalismus/ Patriotismus, jedoch auch nicht viel vom absoluten Gegenteil, einer globalisierten Welt, in der alle Menschen, Kulturen und Religionen „gleichgeschaltet“ sind und nur eine Einheitskultur herrscht. Die Bewahrung der eigenen Kultur (und auch eigenen Religion und Spiritualität) halte ich für wichtig, sofern(!) sie auf humanen, universellen Werten basiert. Diese universellen Werte gilt es herauszuarbeiten. Gleichzeitig ist es für mich wichtig, dass ich ein Zugehörigkeitsgefühl habe, ohne deshalb andere zu diskriminieren.
Man muss sich zudem vor Augen führen, dass jeder einzelne von uns zu einem Flüchtling werden kann, jeden kann eine Katastrophe treffen. Im Endeffekt zählt der Mensch als Mensch und uns Menschen, ist trotz Differenzen, auch vieles gemeinsam- dieses Gemeinsame gilt es zu erarbeiten.
Wir können in Vielfalt leben, nur müssen wir uns als Menschen gegenseitig respektieren und wir brauchen dafür zudem eine gemeinsame Rechtsbasis; eine umfassende Bildung gewährleistet zudem einen Ausweg aus dem Fundamentalismus und „Extremen“.
Auch gefällt mir der Entwurf bzw. Lösungsvorschlag des französischen Philosophen Francois Jullien, der fordert, dass Kulturen allen Menschen zur Verfügung stehen sollten und eher als Ressource verstanden werden sollen.[147] Jullien verteidigt zudem nicht die „Kulturelle Identität“ sondern die „kulturelle Fruchtbarkeit Europas:[148] „letztendlich kann man kulturelle Ressourcen, insbesondere jene der Sprache, nur entlehnen und importieren – besitzen kann man sie nicht“[149].
Bezüglich des vieldiskutierten Themas „Identität“ vertrete ich ebenfalls die Ansicht, dass Menschen viele verschiedene Identitäten haben können; Sen Amartya drückt das in seinem Buch „Die Identitätsfalle“ humorvoll aus: „eine Person kann gänzlich widerspruchsfrei amerikanische Bürgerin, von karibischer Herkunft, mit afrikanischen Vorfahren, Christin, Liberale, Frau, Vegetarierin, Langstreckenläuferin, Historikerin, Lehrerin, Romanautorin, Feministin, Heterosexuelle, Verfechterin der Rechte von Schwulen und Lesben, Theaterliebhaberin, Umweltschützerin, Tennisfan, Jazzmusikerin und der tiefen Überzeugung sein, dass es im All intelligente Wesen gibt, mit denen man sich ganz dringend verständigen muss“[150]
Literaturverzeichnis:
Abuzahra, Amani: Kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft
Hall, Stuart: Rassismus und kulturelle Identität
Amartya Sen, Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt.“, dtv Verlag
Taylor, Charles: Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung
Singer, Mona: Retro-Figuren der kulturell Anderen.
Singer, Mona: Neo-Rassismus: Kultur als Schicksal?
Eagleton, Terry, Kultur, Ullstein Verlag
Jullien, Francois, Es gibt keine kulturelle Identität, Suhrkamp
Philosophisches Wörterbuch
Thomas Mayer, Identitätspolitik; vom Missbrauch kultureller Unterschiede; suhrkamp
Scherrer, Kunze, Globalisierung, UTB Verlag
Rehbein, Schwengel, Theorien der Globalisierung, UTB Verlag
Bettini, Maurizio: „Wurzeln. Die trügerischen Mythen der Identität“, Kunstmann Verlag
Internetquellen, alle abgerufen am 30.April 2018:
https://www.ojc.de/salzkorn/2009/interkulturelle-kompetenz/fremde-freunde-gastfreundschaft-bibel/
https://www.newyorker.com/books/page-turner/stuart-hall-and-the-rise-of-cultural-studies
[1] Vgl. Thomas Mayer, Identitätspolitik; vom Missbrauch kultureller Unterschiede; Suhrkamp, 2002, S.92[2] Vgl. http://www.bpb.de/veranstaltungen/netzwerke/teamglobal/67376/identitaet-und-kultur-in-einer-globalisierten-welt[3] Scherrer, Kunze; Globalisierung, UTB Verlag, S. 7[4] ebd. S.7[5] Amani, Abuzahra, kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft, Passagen-Verlag, 2012, S. 33[6] Ebd. S. 33[7] Scherrer, Kunze Globalisierung, UTB, S.11[8] Scherrer, Kunze, Globalisierung, UTB, S.10[9] Rehbein, Schwengel, Theorien der Globalisierung, UTB Verlag, S. 106[10] Ebd., S. 107 [11] Ebd., S. 107 [12] Ebd., S. 107[13] Ebd., S. 108[14] Ebd., S. 108 [15] Ebd., S. 111 [16] ebd., S 111 [17] ebd., S 112 [18] Vgl. https://www.saarbruecker-zeitung.de/politik/themen/europa-schaut-weg-das-elend-geht-weiter_aid-19437111 [19] https://diepresse.com/home/innenpolitik/5305534/Politologe_Rechtspopulismus-ist-Phaenomen-wohlhabender-Staaten[20] http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/leitkultur-multikulti-islam-leitkultur-csu-und-afd-betonen-christliche-werte/13398944-3.html[21] Zitiert in: Bettini, Maurizio: „Wurzeln. Die trügerischen Mythen der Identität“, Kunstmann Verlag, S.21[22] Mona Singer, Neorassismus – Kultur als Schicksal, S. 72[23] Markus 12:29, Neues Testament[24] Vlg. https://www.ojc.de/salzkorn/2009/interkulturelle-kompetenz/fremde-freunde-gastfreundschaft-bibel/[25] Matthäus 5:44, Neues Testament[26] Abuzahra, Amani, „kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft“, Passagen Verlag, S. 29[27] Ebd., S. 29[28] Ebd., S 29[29] Ebd., S. 31[30] Ebd., S 44[31] ebd., S. 32[32] Philosophisches Wörterbuch, Kröner-Verlag, S. 406[33] Ebd. S. 406[34] Eagleton, Terry, Kultur, Ullstein Verlag, 2017, S.13[35] Ebd., S 13[36] Ebd., S 13[37] Ebd., S 44. [38] Z.b. https://wien.gruene.at/kultur [39] Eagleton, Terry; Kultur, Ullstein Verlag, 2017, S.44[40] ebd, S. 47[41] Ebd, S.49[42] Mona Singer, Retro Figuren des Kulturell Anderen; S. 181, in Gewalt und Handlungsmacht, Frankfurt a.M. Campus 2012[43] Ebd., S. 181[44] ebd, S. 182[45] ebd, S. 183[46] Ebd.,S. 184[47] Ebd., S. 188[48] Ebd, S. 188[49] ebd, S. 188 [50] Ebd., S. 189[51] Ebd., S. 189[52] Ebd., S. 189[53] Ebd., S. 189 [54] Ebd., S. 191[55] Ebd., S. 192 [56] Ebd., S. 192 [57] Ebd., S. 192[58] ebd, S. 195[59] ebd, S. 195[60] Ebd, S. 195 [61] https://www.newyorker.com/books/page-turner/stuart-hall-and-the-rise-of-cultural-studies[62] Stuart Hall, Rassismus und kulturelle Identität, S. 26[63] Ebd., S 26,[64]Ebd., S 26[65] Ebd., S. 26[66] Ebd., S. 27 [67] Ebd., S. 27 [68] Ebd., S. 28 [69] Ebd, S. 29 [70] Ebd, S. 30 [71] Ebd., S. 30 [72] Ebd., S. 30[73] Ebd., S. 32 [74] Ebd., S. 34 [75] Ebd., S. 34 [76] Ebd., S. 37 [77] Ebd., S. 37[78] Ebd., S. 38 [79] Ebd. S. 40 [80] Ebd., S. 41[81] Ebd, S. 41 [82] Ebd, S. 66 [83] Stuart Hall, Rassismus und kulturelle Identität, S. 67[84] Ebd., S. 68[85] Ebd., S. 69[86] Ebd., S. 69 [87] Ebd., S. 69 [88] Ebd., S. 70[89] Ebd., S. 70[90] Ebd., S. 72[91] Ebd., S. 73[92] Ebd., S. 74[93] Ebd., S. 77[94] Ebd., S 78[95] Ebd., S 78[96] Ebd., S 78[97] Ebd., S 79[98] Ebd., S 84[99] Abuzahra, Amani, „kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft“, Passagen Verlag,, S. 63[100] Ebd., S 71.[101] Charles Taylor, Multikulturalismus und Politik der Anerkennung, S. 13[102] Ebd., S. 13[103] Ebd, S. 13[104] Ebd.,S. 15[105] Abuzahra, Amani, „kulturelle Identität in einer multikulturellen Gesellschaft“, Passagen Verlag, S. 76 [106] Charles Taylor, Multikulturalismus und Politik der Anerkennung , S . 15[107] Ebd. , S.16[108] Ebd. S. 16[109] Ebd. , S. 19[110] Ebd. , S. 19[111] Ebd. , S. 20[112] Ebd. , S.21[113] Ebd. , S.21[114] Ebd. , S.23[115] Ebd. , S.24[116] Ebd. , S.24[117] Ebd. , S.24[118] Ebd. , S.27[119] Ebd. , S.27[120] Ebd. , S.28[121] Ebd. , S.28[122] Ebd. , S.28[123] Ebd. , S.28[124] Ebd. , S.29[125] Ebd. , S. 29[126] Ebd. , S. 30[127] Ebd. , S. 30[128] Ebd. , S. 31[129] Ebd. , S. 32[130] Ebd. , S.32[131] Ebd. , S. 33[132] Ebd. , S. 43[133] Ebd. , S. 46[134] Ebd. , S. 46[135] Ebd. , S. 53[136] Ebd. , S. 53[137] Ebd. , S. 53[138] Ebd. , S.55 [139] Ebd. , S. 55[140] Ebd. , S. 56[141] Ebd. , S. 56[142] Ebd. , S. 58[143] Ebd. , S. 58[144] Ebd. , S.70 [145] Ebd. ,S. 70[146] Ebd. , S.70[147] Francois Jullien, Es gibt keine kulturelle Identität, S. 36, suhrkamp Verlag[148] Ebd., S. 53[149] Ebd., S. 61[150] Amartya, Sen; Die Identitätsfalle, S. 8.